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Die Zeit vor 1920

Als das 20. Jahrhundert anbrach, war die Büsumer Fischerei kaum 15 Jahre alt und die Entwicklung der Fischereitechnik hatte enorme Fortschritte gemacht. Die ersten Versuche, die Fischerei vom Boot aus zu betreiben, wurde um 1880 unternommen, dann aber wieder aufgegeben.

5 Jahre später, Büsum hatte seit 1883 einen Eisenbahnanschluß (...hier auf meiner separaten Seite), sahen einige Büsumer eine Zukunft für die Krabbenfischerei. Der Mut zum Neuanfang wurde belohnt, Netze und Verabreitung des Fangs wurden verbessert und schon 1890 betrieben 6 Büsumer Fischer den Krabbenfang vom Boot aus.
Anfangs betrug der Preis für die Krabben, die über Land verkauft wurden, etwa 4 bis 5 Pfennig pro Pfund; doch mit der größeren Nachfrage durch den Versand per Bahn stieg der Preis auf 10 Pfennig pro Pfund an. Täglich wurden 600 Pfund nach Hamburg versandt.

Das vermutlich älteste Foto vom alten Hafen:
Hafenpriel und alter Hafen (etwa 1890); der kleine Hafen entstand 1854
Schulte-Chronik-urbild-mittel   

Vor 1891 stand direkt am kleinen Sielhafen noch der Thiessen-Hof.
1890 Thiessen-Hof  
(c) Amtsarchiv Büsum

Das 1878 errichtete Leuchtfeuer bestand aus einer Petroleumlampe, die an einer 3 m hohen Stange an einer Bude angebracht war. Die Bude stand am heutigen Haupteingang des Strandes oben auf dem Deich, wie auf einigen historischen Strandbildern erkennbar.
archBues-erster Leuchtturm

Das 1891 erbaute Hotel "Bellevue" (heute steht dort das Hotel Nordseehalle).
Der Thiessen-Hof wurde ausgesiedelt (heute an der Nordseestr.)
Besitzer des neuen Hotels war der Fischer Wilhelm Külper.
Der Hafen ist noch ein kleiner Sielhafen mit wenigen Liegeplätzen.
1890 Bellevue 1   
(c) Sammlung Kösters

Der alte Hafen liegt noch völlig ungeschützt an der offenen See
(Blick vom Hotel Bellevue auf den Hafen bei Sturmflut)
1890 offene see
(c) Amtsarchiv Büsum

1894 wird der Regattaverein gegründet.
Familie-Dreessen-14  1894 Regatta Statuten  1894 regatta


1900

Es gab zu der Zeit zwei getrennte Strandbereiche in Büsum
  1. den Damenstrand am Ostdeich entlang
  2. den Herren- und Familienstrand am heutigen Hauptstrand

Oststrand (Damenstrand):
An der Hafenausfahrt, am heutigen Ankerplatz (der auf diesen Bildern noch nicht exitierte), und am Ostdeich entlang ist reges Strandleben.
Ein Stück am Ostdeich entlang stand noch ein weiteres Hotel, das Hotel "Schloß am Meer".
Bellevue  1905


Herren- und Familienstrand (heute Hauptstrand):
AKK-x13 1900 Strand  AKK-x12 1900 Strand
oben auf dem Deich steht das erste Büsumer
"Leuchtfeuer", eine Petroleumlampe

HerrenFamilienStrand


Der (1854 gebaute) "Alte Hafen" hatte nur eine Länge von 300 Ellen und reichte von der Stöpe bis in die Höhe der Hafenstraße.

Der Hafen gehörte dem Kirchspiel Büsum und brachte nur geringe Einnahmen, denn nur Frachtschiffe hatten Abgaben zu zahlen.

In Büsum waren Ende 1900 insgesamt 25 Fischereifahrzeuge und zwar 16 Kutter sowie 9 Jollen und Boote gemeldet.

Der Fischer Otto Johannsen ließ sich in seinen neuen, in Elmshorn gebauten Kutter SH 1826 "Anna" (später BÜS 97) als erster Fischer einen Petroleummotor einbauen. Der Besitzer bekam den Spitznamen "Ottomotor".
Bei dem letzten Eigner des Kutters, Johann-Friedrich Johannsen, in der Deichstr. 20 wohnten wir von 1948 bis 1961, zunächst unten in der Veranda, später oben mit dem Balkon.
BUeS97 Anna Deichstr20
(c) Amtsarchiv Büsum                                    (c) Sammlung Kösters

Es war die Zeit des ersten Tonnenlegers "Tertius" in Büsum. Die "Tertius" war ein weißes 1,5-Master Holzschiff mit Seitenschwertern - fällt dadurch auf Bildern und Postkarten unter den schwarzen 1-Master Kuttern auf - und war damals das größte Schiff in Büsum, es fuhr unter Segeln wie damals alle Kutter. Mit der Tertius begann in Büsum die 100-jährige Zeit der Tonnenleger-Familie Lütje.

1901

Ing. Max Gehre baute auf eigene Kosten einen 20m hohen Leuchtturm, mit Windkraft angetrieben.
Der Turm wurde vom Wasser- und Schiffartsamt nicht als Leuchtfeuer anerkannt, weil bei Windstille kein Strom erzeugt werden konnte. Der Turm konnte aber nicht abgebaut werden, weil er bereits in den Seekarten eingezeichnet war.
Das kleine Leuchtfeuer mit der Petroleumlampe blieb also in Betrieb und wurde erst 1912 durch den heutigen eisernen Turm abgelöst.

wind-leuchtturm  wind-leuchtturm 2
(c) Sammlung Kösters                      (c) Sammlung Kösters
                                           links vom Turm:  "Bellevue"(1891),
                                           rechts vom Turm, v.l.: "Zum Deutschen Kaiser"(1900) (später: Seeblick),
                                                                          "Strandhotel"(1892),  "Strandhalle"(1891)

Gehre entwickelte auch eine kommunale Elektrizitätsversorgung in Büsum mit eigenem E-Werk und Verteilernetz.

Wie im Vorjahr waren 25 Fischereifahrzeuge gemeldet und Büsum wurde von 50 Frachtseglern angelaufen, hauptsächlich brachten sie Stückgut und nahmen Getreide mit.
AKK-x11 1900 Alter Hafen Repro
StadeAux-3-gel1908

1902

Es fehlte eine Reparaturwerft mit Helling. Der Fischereiverein bemühte sich um ein Grundstück am Hafen. Der Schiffszimmermann Hermann Albers erklärte sich bereit, auf eigene Kosten ein Werftgebäude zu bauen.
Dort wo heute der Tonnenhof liegt, wurde am 1. Oktober 1902 die erste kleine Boots- und Kutterwerft mit Slippanlage und Helling erstellt, die erste Büsumer "Werft".
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In Bildmitte neben der Helling liegt das Tonnenlegerschiff "Tertius" an seinem Liegeplatz,.
Auf dem Gleis hinter dem Tonnenlegerschiff wurden die Tonnen vom/zum Schiff transportiert,

Es gab Vermessungsarbeiten für eine erste Hafenerweiterung.
Diese Erweiterung sah vor:
- eine Schutzmole als Verlängerung der "Horst" (heutiges Tonnenhofgelände) und
- neue Anlegeplätze unterhalb der Hafenstraße Richtung Hafenausfahrt (heutiger Ankerplatz) und
- Vertiefung der Hafeneinfahrt

Die Fangsaison für Krabben war recht ergiebig. Der Durchschnittspreis für Krabben war 10 bis 12 Pfennig.

1903

Im Januar 1903 wurde auf einer Großveranstaltung in Altona der Verband der Krabbenfischer gegründet. Alle Vertreter der Fischerorte waren anwesend. Die Versammlung wurde von Wilhelm Külper geleitet, Protokoll führte Claus Siegfried, beide aus Büsum.

Im April gründete Claus Siegfried die "Erste Büsumer Krabbenkonservenfabrik" in der Kleinen Westerstraße (im Gebäude der späteren Druckerei Haack), 1911 wurde die Konservenfabrik zur Vereinsallee verlegt.
siegfried-firma westerstr

Die ersten Planungen für den Hafenausbau an der Ostseite des Hafen beginnen, für das spätere Hafenbecken II. Aber die Finanzierung war noch nicht geregelt.

Die Segelregatta fällt wegen absoluter Flaute aus.
Allerdings soll auch mangelndes Interesse der Bevölkerung mit zu der Absage der Regatta geführt haben. Es wurde überlegt, den Regattaverein aufzulösen, wozu es allerdings nicht kam.

1904

Es gab immer mehr Havarieschäden. Der kleine Hafen hatte nicht genug Platz, es entstanden viele Schäden in dem engen Büsumer Hafen. Die Schäden mußten von den Schiffseignern selbst getragen werden.
Wilhelm Külper gab den Anstoß, sich in einem Verein zusammen zu schließen und Versicherungen zu kontaktieren und eine eigene Versicherungskasse zu gründen.
Bald war zu lesen: In Büsum haben 35 Fischer ihre Schiffe mit ca. 100.000 Mark versichert.

Auf der Werft der Gebr. Albers wurde zum erstenmal ein Kutter auf der Helling auf Kiel gelegt.

Auf dem Tonnenlegerhof am Anlegerplatz wird ein Kran installiert mit 2 to Tragfähigkeit

Im Mai fand eine Versammlung des neuen Segel-Regatta Vereins statt.
Der Regattatag im Juli brachte "endlose Reihen Besucher, die unter Klängen der Heider Musikkapelle einrückten", wie die örtliche Zeitung berichtete. Es gingen 38 Kutter in 4 Klassen an den Start, 5 Meilen Streckenlänge.

Das Bäderschiff "SS Patriot", ein alter Raddampfer, führte erste Stundenfahrten vor Büsum durch, bekam aber keine Erlaubnis für Ausflugsfahrten nach Cuxhafen, Tönning und Helgoland, weil er für Seefahrten nicht zugelassen war. Um die Büsumer Saison noch aus zu nutzen, wurde der Lustdampfer kurzerhand in ein Wattenrestaurant auf dem Watt vor dem Büsumer Strand umfunktioniert.

Ein anders Bäderschiff, die "SS Willkommen", führte Sonderfahrten nach Helgoland durch.

1905-06: 1.Hafenausbau

deichbau 1900
Deichbau um 1900

Hafenerweiterung:
  • Im November 1905 wurde das große Dreieck (heute Ankerplatz) aufgefüllt. Die Baumaterialien (Steine, Holz, Felsen) wurden mit 2 Tjalken (Flachwasserschiffe mit Seitenschwerten) aus Königsberg herangebracht. Die Kaje (Kaimauer) bestand aus Holz.
  • der "neue Hafen" wurde vertieft und mit dem Aushub wurde der Dreieckplatz verfüllt.
  • Als Schutz gegen die offene See wurde die Ostmole gebaut (etwa entlang der heutigen Südseite des Hafenbeckens II).
  • dei Ostmole diente als Leitdamm für den Ebbstrom aus dem neuen Spülbecken.
  • Erst im Dezember 1905 begannen die Bauarbeiten für die Westmole als Verlängerung der "Horst".
  • Die beiden Molen (Ost- und Westmole) wurden in s.g. Ostseebauweise errichtet: zwei dichte Pfahlreihen, die mit Ostseefindlingen auf Faschinenunterlage ausgefüllt wurden.

Eine Skizze mit den "Neubauten":
- der aufgefüllte Dreiecksplatz erbrachte neue Liegeplätze
- die Westmole als Schutzmole gegen die See
- die Ostmole als Schutz und als Leitdamm für den Ebbstrom aus dem Spülbecken
- die Lahnung als Einfassung für das große Spülbecken zwischen Büsum und Deichhausen (heutiger Hafenkoog)
1905-06 hafenskizze

Das Spülbecken:
Das Wattgebiet zwischen Hafen und Deichhausen wurde mir einer Lahnung (Pfahlreihe mit beidseitiger Steinanschüttung) eingefasst und hatte etwa die Ausdehnung des heutigen Hafenkoogs. Die einzige Öffnung des Damms war am neuen Hafen. Die Lahnung wurde bei Normalhochwasser überspült, sodass das Spülbecken voll Wasser lief. Mit einsetzender Ebbe leerte sich das Becken durch die einzige Öffnung am neuen Hafen. Dadurch sollte der Hafen gegen Verschlickung freigespült werden.

Technische Erfahrungen:
Die Wirkung des Spülbeckens auf die Freihaltung des Hafens war gering. Später bei Modellversuchen für den zweiten Hafenausbau, fand man heraus warum. Die Sohlenlage des Beckens war zu hoch; dadurch lief das Becken zu früh leer bevor die Ebbe draußen niedrige Wasserstände erreicht hatte.
Die beiden Molen erfüllten ihren Zweck nur für Tiden bis etwa 1 m über Normalhochwasser. Bei höheren Tiden, was häufig vorkam, mußte der neue Hafen geräumt werden; auch im alten Hafen gab es dabei immer noch Havarien.
Deshalb forderten die Fischer die nächste Ausbaustufe.
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1909
(c) Sammlung Kösters
Dreiecksplatz mit den 3 Hotels und (re) der Strandhalle (auf Pfählen)

1905

Gustav Rentel nahm seine Konservenfabrik und Fischräucherei in der Deichstraße in Betrieb.
Rentel war 1895 aus dem ostpreußischen Alt-Passarge nach Büsum gekommen und hatte 1899 den Kutter SH-3195 "Magdalena" erworben.

Die Segelregatta im Juni war wieder sehr gut besucht. Mit dem Mittagszug kamen "unzählige" Wagen und brachten Hunderte von Personen zum Festplatz. Der Dampfer "Büsum" brachte 100 Besucher aus Meldorf. Es starteten 43 Schiffe in 5 Klassen auf 5 Seemeilen.

Büsum bekam einen Neuzugang in der Schifffahrt. Kohlenhändler Hargens wollte mit seinem Schoner "Antina" Kohle von England nach Büsum transportieren. Ein Jahr später mußte Hargens das Schiff wieder verkaufen, es hatte für den Büsumer Hafen zu großen Tiefgang. Er setzte seinen Transport mit Charterschiffen fort.

Die Seemoosfischerei begann.

Wilhelm Külper begann mit seinem neuen Lustkutter Fahrten vor Büsum.
Zur Kutterregatter kamen mit dem Zug 1500 Gäste.Das Bäderschiff SS "Silvana" lag vor Büsumund war am Abend über die Toppen elektrisch beleuchtet..
Otto Haak gründete eine neue Firma zur Krabbenkonservierung in der Johannsenallee.

Zur Grenzkontrolle auf dem wasser wird wieder ein Zollboot in Büsum stationiert. Zollamtliche Abfertigungen für Wareneinfuhren sind in Büsum nicht möglich, weil das Zollamt (seit 1888) in Wesselburen ist.

Der Hafen geht in das Eigentum des preußischen Fiskus über.

1907

Die Fischer klagten, dass die Erwartungen an den neuen Hafen (Schutz bei südlichen und südwestlichen Stürmen) sich nicht erfüllt hatten. Auch die Hafenvertiefung ließ noch auf sich warten.

Das Jahr begann mit einem strengen Winter, der Hafen war durch Eis blockiert.

Seit Jahresfrist müssen die Fischer Angaben über ihre Fangergebnisse zu statistischen Zwecken machen.

Eine Polizeiverordung trat in Kraft:
Jeder in den Hafen einlaufende Führer eines Schiffes hat sich sofort beim Hafenmeister zu melden unter Angabe seines Namens, der Größe und des Bestimmungsortes seines Schiffes und hat den vom Hafenaufseher angewiesenen Liegeplatz einzunehmen. Die Fischer sind von der bezeichneten Meldepflicht befreit.

Fischereiabfälle bei den Krabbenfischern sollen nicht mehr über Bord geworfen, sondern zu weiteren Verwendung mitgenommen werden. Dazu wurden große Kübel einer externen Verwertungsfirma aufgestellt. Die Fischer erhielten pro Zentner Abfall 60 pf und hatten somit eine kleine Nebeneinnahme. Die Fischabfälle wurden getrocknet und zu Hühnerfutter verwertet.

Der Seehund wurde weiterhin als Feind der Fischer angesehen. Das Abschießen der Seehunde wurde als Sport betrieben und sogar mit 3 M Prämie pro Kopf belohnt.
In 1906 wurden an der Küste 939 Seehunde erlegt, davon 50 vor Büsum.

Zur Regatta gingen 34 Kutter in 4 Klassen an den Start, es blies eine scharfe Briese. Der Mittags- und Nachmittagszug brachte viele Regattabesucher, ebenso kamen 128 Gäste mit dem Dampfer "Silvana" aus Hamburg und Cuxhafen.

In 1907 liefen - ohne die Kutter mitzuzählen - 150 Schiffe in den Hafen ein und aus.

1908

Die Flotte der Kutter hatte sich um 7 neue Fahrzeuge vergrößert.
Deutlich weniger Schiffe (60) liefen in diesem Jahr den Hafen an.

Die Betonnung des Büsumer Fahrwassers soll verbessert werden.

Neuer Erwerbszweig: Fang von lebenden Seehunden und Verkauf an Zoologische Gärten.
Der Seemoosfang breitet sich nach Nordfriesland aus.
Fischer Heinrich Lass hatte im Laufe der Jahre 400 Seehunde geschossen und bekam dafür eine Prämie
von 300 M.

Der Gehresche Leuchturm mit Windrad wurde verkauft, mußte aber stehen bleiben bis die Regierung einen neuen erstellt hätte.
Die 1850 gebaute Sielschleuse am alten Hafen ließ sich mit geringem Aufwand sanieren.

Zur Regatta brachten zwei Eisenbahnzüge über 900 Gäste.

1909

Es wurden Versuche mit blauen Netzen gemacht. Dazu wurde von 65 Kuttern die Hälfte mit blauen und die ander Hälte mit den herkömmlichen Netzen ausgerüstet. Die blauen Netze brachten größere Fänge. Färbemittel war Blaustein.

Versuche, Krabben nach Berlin in Eispackungen mit der Bahn zu versenden, waren erfolgreich.

Der Fischereiverein forderte das Auslegen von Leuchttonnen und den Bau eines Leuchtturms.
In den Tönninger und Büsumer Fahrwassern wurden jahreszeitlich Sommer- bzw Wintertonnen ausgelegt.
Die Fischer fordern weiterhin, die Fahrwasser vor Büsum sicherer zu machen durch Auslegen von Leuchttonnen und den Bau eines Leuchtturms.

1910

Von den 52 Büsumer Kuttern waren nun 10 mit Motoren ausgerüstet. Das Zollamt richtete im Ort ein Tanklager unter Zollverschluß ein, die Fischer erhielten Zollermäßigung für ihren Treibstoff. Bisher mußte der Treibstoff aus Heide bezogen werden.

Es wurde beschlossen, eine Fischerei-Genossenschaft zu gründen. Man versprach sich so eine bessere Verwertung  der Produkte durch Versand bzw Konserven.

Die Ortsverwaltung bestimmte, dass Krabbenschalen nun in verschlossenen Kübeln täglich von den Konservenfabriken abgefahren werden sollten, um die Geruchsbelästigung zu vermeiden.

Zur Regatta kam ein Sonderzug aus Heide mit Gästen. Es starteten 44 Kutter in 5 Klassen.

Wilhelm Külper wird Vormann des Büsumer Rettungsbootes.
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StadeAux-4-gel1912
1910 Hafen
(c) Sammlung Kösters
Es ist mal wieder Regattatag in Büsum.
StadeAux-5-1906

1911

Der Bau des neuen Leuchtturms begann. Es war zunächst geplant den Turm auf dem Ankerplatz zu errichten, man entschied sich dann aber für den heutigen Standort auf der "Horst".

Die Büsumer Krabbenverwertungs-Genossenschaft erstellte ihr neues Fabrikgebäude in der Moltkestraße. Es war ein Strohdachhaus.

Claus Siegfried zieht mit seiner Konservenfabrik um von der Kleine-Westerstraße auf das neue Gelände an der Vereinsallee.
siegfried-firma vereinsallee
Bild aus den 1950er Jahren.

Schwerer Sturm im November, Kutter in neuen Hafen erlitten schwere Schäden und trieben ab. Der Hafenschirmdeich an der "Horst" wurde schwer beschädigt und fast völlig weggeschwemmt. Die Windmühle am Ortseingang verlor ihre Flügel. Die Fluthöhe war 3,50m über Normal.

Auf der Generalversammlung der D.G.z.R.S. in Heide wurde der Antrag gestellt, in die Rettungsboote in Büsum und Friedrichskoog Motoren einzubauen.
Das Büsumer Rettungsboot sollte einen 25 PS Motor erhalten und dann in Friedrichskoog stationiert werden, Büsum sollte ein neues Boot mit 35 PS erhalten, die Theodor Gruner.
archBues-gruner

1912

Es gab mehrere Schiffsverluste im Hafen durch Motorbrände. Deshalb wurde vorgeschrieben, dass Motorkutter nur noch im neuen Hafen in einem Abstand von mindestens 25m von den übrigen Schiffen liegen dürfen.

Im April schwere Sturmschäden im neuen Hafen.

Der Seebäderdienst der Hapag berichtet, dass im Sommer 1912 Sonderfahrten von Büsum nach Helgoland und "Lustfahrten" von Hamburg nach Büsum geplant sind.

Im Mai kam das neue 35 PS Rettungsboot "Theodor Gruner" an. Ganz neu war die Ausrüstung mit einem Scheinwerfer.

Im Mai traf per Eisenbahn die Eisenkonstruktion des neuen Leuchtturms ein; ein Stromkabel war vom E-Werk zum Leuchtturm im Oktober fertig verlegt. Höhe des Turms: 25m, Sichtweite 17 Seemeilen.

Claus Siegfried zog mit seiner Krabbenkonservenfabrik von der Westerstraße auf das neue Fabrikgelände an der Vereinsallee um.
Auch das Gebäude der Fischerei-Genossenschaft in der Moltkestraße wurde eingeweiht.

AKK-x2 1913 30-1 hp mit wz  

1913

Es wurden nicht nur Krabben gefischt: Die Entenjagd und Seehundsjagd waren erträgliche Geschäfte.

Wieder viele Schäden durch einen Südwest-Orkan im März.

Die Anzahl der Fischereifahrzeuge hatte sich ständig erhöht und der neue Hafen gab bei Unwettern nicht genügend Schutz.
Zudem durften aus Feuerschutzgründen die motorisierten Kutter nicht zu dicht liegen.

Der nächste Hafenausbau wurde geplant:
  • der Hafenschirmdeich auf der "Horst" sollte verstärkt werden,
  • die Schutzmole (Ostmole) sollte um 100 m nach Osten verlängert werden, damit weitere Liegeplätze am Ostdeich entstehen können,
  • die Westmole sollte ebenfalls um 100 m verlängert werden.

Der Deich entlang des neuen Hafens und des anschließenden Damenstrandes wurde um 1 m erhöht und erheblich verbreitert.
Der benötigte Sand wurde mit Loren aus dem Watt geholt.

Der neue Leuchtturm wird in Betrieb genommen.
der neue  alt und neu
                                          Foto: Erika Bauer

1912-16: neue Liegeplätze und Verstärkung der Schutzmolen

Die Erweiterung des Hafens:
  1. bereits 1912 begonnen: entlang des Ostdeiches entstanden neue Liegeplätze mit den für das Hafenbecken II typischen Holzstegen; sie wurden erst in den 50er Jahren durch die heutigen Spundwände ersetzt,
  2. an der Seeseite des neuen Hafens wurde die Ostmole in einer wenig wirksamen Form erhöht und sie sollte 90 m nach Osten verlängert werden,
  3. Die Westmole wurde verlängert um 100 m und der neue Teil erhielt einen stärkeren und höheren Querschnitt. Das existierende Stück wurde aber nicht verstärkt.

Baugebinn für die beiden Molen war 1914 und fiel mit dem Kriegsbeginn zusammen. Die Baustellen wurden wegen Material- und Arbeitermangel 1916 stillgelegt. Auf die 90m Verlängerung der Ostmole wurde später ganz verzichtet (es wurde nur der bestehende Teil verstärkt) und die Gelder sollten nach dem Krieg für die Erhöhung der alten Westmole verwendet werden.

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Dreiecksplatz und neue Molen
Bahr-x1
KlausHinz-1

1915

Während des Krieges waren die meisten Fischer zum Kriegsdienst eingezogen.
Die (Hochsee)Fischerei wurde verboten, nur die Küstenfischerei (Krabben, Muscheln, Seemoos) waren erlaubt.

Am Siel des Alten Hafens wurde ein Pegel aufgestellt.
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vorne die Feldbahngleise: für Materialtransport vom Materialplatz auf dem Dreiecksplatz (hinten links) zur Westmole (rechts hinter dem Leuchtturm).

StadeAux-2-gel1922

1917

Neue Kutterkennungen:
Die küstennah fischenden Kutter tragen jetzt neue Unterscheidungszeichen:
  • bisher: SH + 4stellige Nummer
  • jetzt: BÜS + Nummer; die Nummer entsprechend alphabethischer Reihenfolge nach den Namen der Kuttereigner
  • SC: Später (1918) erhielten Kutter, die außerhalb der 3-Meilen-Zone fischten, Kennungen mit dem Buchstaben S, gefolgt durch den ersten Buchstaben des Heimathafens. Da B schon für Blankenese vergeben war, erhielten die Büsumer den nächst freien Buchstaben, das C. In den Kutterregistern (Almanach) tauchten schon 1906 und 1911 vereinzelt die Kennungen SC aber ohne Nummer auf.

Der Muschelfang wurde immer wichtiger. Im Winter liefen 30 Büsumer Kutter nach Husum aus, um dort Muscheln zu fangen; im Sommer ruhte der Muschelfang.

Im Watt wurden im Winter Strandaustern gesammelt. Die Austern wurden gekocht und zu "Austernbutter" verarbeitet, die wie Leberwurst geschmeckt haben soll.

Der Fischer Otto Muhl kaufte einen Dampfer, mit dem er eine kleine Hochseefischerei von Büsum aus betreiben wollte.

Nach einem ergiebigen Heringsfang in der Elbmündung (bis April), folgte eine sehr gute Fangsaison für Krabben und Schollen.

Es war Kriegszeit und der Staat hatte kein Geld. Aufruf an die Fischer in der örtlichen Zeitung:
Büsumer Fischer!
Ihr werdet vom Kriegsdienst befreit um dem Vaterland durch den Fischfang zu dienen. Reicher Segen hat Eure schwere Arbeit gelohnt. Darum dankt es dem Vaterland und
zeichnet die 6.  Kriegsanleihe.

Büsum hatte nun offiziell wieder einen Fischereimeister, Hermann Brinkmann. Seine Aufgabe war es, darauf zu achten,
  • dass die Schonzeiten eingehalten wurden, 
  • dass Netze mit den vorgeschriebenen Maschenweiten benutzt wurden,
  • dass die Mindestmaße der Fischgrößen nicht unterschritten wurden und
  • dass keine ausländischen Fischer innerhalb der deutschen Fischereigrenzen fischten.
Um die Grenzen zu überwachen, stand dem Amt ein  Aufsichtsboot zur Verfügung.

In den Kellerräumen des Hotel "Stadt Hamburg" in der Kirchenstraße richtete Carl Richter eine Fischräucherei ein.

1918

Im März, wieder große Heringsschwärme in der Norderpiep. Einem Fischer zerriss es das übervolle Netz und der gesamte Fang ging verloren.
Husumer Fischer kamen nach Büsum, um dort Hering zu fangen.
Rekordmeldungen in den Zeitungen über Heringsschwärme und  Fänge.
Die großen Fahrzeuge mußten den Fang in Cuxhafen löschen, weil es in Büsum platzmäßig nicht mehr möglich war.
Hafen und Reede boten ein spektakuläres Bild der Großfischerei.
Wagen auf Wagen rollte zum Bahnhof und lange Züge voll mit Heringen verließen den Büsumer Bahnhof.

Ende März waren die Heringsschwärme allerdings genauso schnell wieder Richtung Hever (Husum) verschwunden wie sie gekommen waren.

Mit dem Ende des Krieges strahlt wieder seit November das Licht des Leuchtturms.

Auf Anordnung der Deichbehörde mußte die Strandhalle abgebrochen werden. Das Gebäude stand auf Pfählen an der Seeseite des Deiches am Ankerplatz und war eine Gefahr für die Deichsicherheit.

1919

Etwa 100 Fischer und Arbeiter begradigen mit Spaten und Schaufeln die Hafeneinfahrt und dämmen mit Buschlahnungen den alten Priel ab. Durch die Selbsthilfe verbesserte sich die Einfahrt zum Hafen erheblich.

Weiterhin hohe Gefahr für die Fischer durch Minen.

Die Fischereigesellschaft forderte eine Fischannahmehalle am Hafen. Sie sollte an dem Platz der früheren Strandhalle am Dreiecksplatz entstehen. Es wurde auch gefordert, die Anlegestellen entlang des Damenstrands nochmals zu verlängern.

Es drohte die Abgabe von Kuttern als Reparationsleistungen. Die Reichsregierung versprach aber Entschädigungen.
Der Bootsbau wurde forciert, die Fischerflotte vergrößert sich weiter.

Organisationen/Vereine

Ein Spiegelbild der Zeitgeschichte sind auch die Zusammenschlüsse (Vereine und Gesellschaften) der Fischer in dieser Zeit:
  • Segel- und Regattaverein (gegründet 1895)
            Hauptzweck: Unterhaltung der Badegäste
            Gäste: Mitfahrt auf den Kuttern und Teilnahme am Regattaball
            Sonderzüge von Hamburg und Ostsee
  • Fischerei-Verein (1898)
            Gründer: Wilhelm Külper
            Interessenvertretung der Fischer gegenüber Staat und Eigner des Hafens - Kirchspiel Büsum
            Ziele: Fordern von Hafenausbau und nötigen Reparaturen der Hafenanlagen,
            Motto: Einigkeit macht stark
  • Krabbenfischer-Verband (1903)
            Gründer: Wilhelm Külper
            Überregionaler Verband
            Ziel: Verbesserung der Absatzschwierigkeiten beim Krabbenhandel
            Probleme bei der Verbandsgründung, Verband löste sich bald wieder auf
  • Versicherungskasse (1906)
            Vorsitzender: Wilhelm Külper
            Versicherung der Fischer gegen Havarieschäden, Totalverlust und Brandschäden,
            keine Erfahrung der Fischer mit der neuen Motorisierung
                           (dadurch viele Brände, Explosionen, andere Pannen)
            wegen hoher Schadensregulierungen Suche nach versch. Rückversicherungen
                           (große Feuerversicherungen)
  • Fischerei-Genossenschaft (1911)
            Organistaion der Fischer zur Lieferung der Krabben an die örtlichen Krabbenkonservenfabriken
                            anstatt an Abnehmer in Hamburg und Altona,
            eigenes Gebäude in der Moltkestr. mit Lager und Eishaus,
  • Büsumer Fischerei-Gesellschaft m.b.H.(1918)
            Tätigkeiten: Eisfabrik in der Moltkestr., Krabbenkonservierung, Kühlräume für Schockfrostung
  • Verband der Küstenfischer (1914)
            Ziel: bessere Zusammenarbeit zwischen Fischern und Industrie
            gleiche Probleme bei der Gründung wie beim Versuch des Krabbenfischer-Verbandes 1903
                    deshalb bald wieder aufgelöst,
            das Problem bei beiden Vereinen war, dass sie keine bindenden Beschlüsse fassen konnten,
  • Kriegsschaltiergesellschaft (1915 - 18)
            führte in den Kriegsjahren die Verteilung der Fischfänge über ganz Deutschland durch,
            die Büsumer Konservenfabriken waren Mitglied in dieser Gesellschaft,
            es war eine staatliche Regulierung die durch einen Reichskommissar geführt wurde,
  • Hafenbetriebsgesellschaft H.B.G. (1921-60)
            Verwaltung des Hafens,
            Hafengelder kassieren,
            Abgaben für alle angelandeten Krabben und Fische an den Staat abliefern,
            Betrieb der Fischabnahmehallen (zunächst am H.B.II, später am H.B.III),
            Durchführung der Auktionen in den Hallen,
            ab 1955 Betrieb der Eisfabrik und Kühlhalle am Hafen
            1960:   Ende des Büsumer Fischmarktes,
                      die Gesellschaft geht an den Kieler Seefischmarkt über nach Unstimmigkeiten
                      mit den Fischern, die ihre Fänge zu den Märkten in Cuxhafen und an den
                      Kieler Seefischmarkt direkt liefern wollten.

Flottengröße

Die Büsum Kutterflotte vergößerte sich stetig.
Quelle: Kurt Winter, Band I
 
diagramm kutterflotte
diagramm krabben

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